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Wie verändert KI die Verwaltung in Baden-Württemberg und unsere Gesellschaft? - Impuls im Öffentlichen Diskurs mit Dr. Arndt Möser
Künstliche Intelligenz verändert die öffentliche Verwaltung grundlegend – zwischen Effizienzgewinnen, neuen Risiken und wachsender Verantwortung. Beim Öffentlichen Diskurs der ISoG BW wurde deutlich, dass ein souveräner Umgang mit KI weit über technische Fragen hinausgeht. Gefragt sind interdisziplinäres Denken, kritische Reflexion und klare Werte, um Verwaltung zukunftsfähig, bürgernah und verantwortungsvoll zu gestalten.
Foto: Sara Ruggeri
Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, die Verwaltung leistungsfähig, bürgernah und zukunftsfähig zu gestalten? Und was bedeutet das für Staat, Gesellschaft und demokratische Verantwortung? Diesen Fragen widmete sich der Öffentlichen Diskurs der ISoG BW mit Dr. Arndt Möser als Inputgeber und Prof. Monika Gonser in der Moderation.
Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie Verwaltung in Baden-Württemberg mit KI umgehen kann, ohne dabei den Menschen, den Datenschutz und die demokratische Legitimation aus dem Blick zu verlieren. Deutlich wurde: KI ist längst nicht nur ein technisches Thema. Sie verändert Kompetenzen, Arbeitsweisen und Erwartungen an den Staat. Verwaltung soll schneller und effizienter werden, gerade auch vor dem Hintergrund knapper personeller Ressourcen. Gleichzeitig muss mehr Raum für die Bearbeitung komplexer Aufgaben bleiben. Genau hier kann KI unterstützen.
Ein wichtiger Impuls des Abends war, dass der souveräne Umgang mit KI mehr bedeutet als technische Anwendungskompetenz. Es geht ebenso um die Fähigkeit, KI kritisch zu hinterfragen: Wie wurde ein System trainiert? Mit welchen Daten arbeitet es? Wo entstehen Verzerrungen? Und wie lässt sich verhindern, dass Diskriminierung reproduziert wird? KI-Kompetenz ist deshalb immer auch eine Frage von Recht, Ethik und Verantwortung.
Auch die Ambivalenz der Technologie wurde intensiv diskutiert. KI kann ein mächtiges Werkzeug sein, wenn sie rechtlich und ethisch verantwortungsvoll eingesetzt wird. Zugleich bringt sie neue Risiken mit sich, etwa im Bereich Cybersecurity, Phishing, Deepfakes oder beim Schutz sensibler Daten. Mit zunehmender Nutzung wächst auch die Verantwortung, Datenschutz und IT-Sicherheit mitzudenken und wirksam abzusichern.
Ein weiterer zentraler Punkt war der Faktor Mensch. KI kann unterstützen, vorbereiten, analysieren und entlasten. Aber sie ersetzt nicht die menschliche Prüfung. Gerade im Verwaltungskontext braucht es einen verlässlichen Human in the Loop. Oder, wie es am Abend sinngemäß formuliert wurde: KI ist oft wie ein sehr eifriger Praktikant am ersten Tag. Sie legt schnell los, aber das Ergebnis muss trotzdem sorgfältig geprüft werden.
Diskutiert wurde auch, wie Baden-Württemberg an einer modernen KI-Infrastruktur und an mehr digitaler Souveränität arbeitet. Dabei wurde deutlich, dass der technologische Fortschritt nicht einfach verordnet werden kann. Es braucht frühe Anwender, die Neues ausprobieren, Erfahrungen sammeln und ihre Erkenntnisse teilen. Denn nur wenn gute Beispiele sichtbar werden, kann Lernen zwischen Organisationen gelingen, auch intersektoral und über Verwaltungsgrenzen hinweg.
Großes Interesse galt außerdem der Frage, wie gesellschaftliche Sensibilisierung im Umgang mit KI gelingen kann, etwa bei Desinformation und Deepfakes. Schnell wurde klar: Das ist keine Aufgabe, die der Staat allein lösen kann. Neben Polizei, Innenverwaltung und Sicherheitsbehörden sind auch Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen gefragt. Eine resiliente Gesellschaft braucht technisches Wissen, gesundes Misstrauen und Räume für gemeinsame Verständigung.
Als besonders prägnant blieben drei Empfehlungen des Abends in Erinnerung:
1. Beschäftigen Sie sich mit KI.
Nur wer ausprobiert, versteht, was KI leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.
2. Denken Sie interdisziplinär.
KI betrifft nicht nur Technik, sondern immer auch Recht, Ethik, Organisation und Verantwortung.
3. Übernehmen Sie Verantwortung.
Zukunftsfähige Verwaltung entsteht dort, wo Innovation mit kritischer Reflexion verbunden wird.
Der Kaminabend zeigte eindrücklich: Moderne Verwaltung ist nicht nur digital und effizient. Sie muss auch verantwortungsvoll, lernfähig und bürgerorientiert sein. Genau hier setzt die Arbeit der ISoG BW an: Wir schaffen Räume für Austausch, Reflexion und intersektorales Lernen, um die großen Transformationsfragen unserer Zeit gemeinsam zu bearbeiten.