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Kaminabend "KI & Governance" – zwischen Effizienz, Vertrauen und kulturellem Wandel
Im Rahmen des Kompaktprogramms „Intersektorale Governance im Bereich der Künstlichen Intelligenz“ lud die ISoG BW am 19. Februar zu einem Kaminabend mit Marian Schreier und Markus Braun ein.
Im Rahmen des Kompaktprogramms „Intersektorale Governance im Bereich der Künstlichen Intelligenz“ fand im Feuersee Studio Stuttgart ein öffentlicher Kaminabend zu „KI & Governance“ statt. Diskutiert wurde, wie KI Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft verändert – und warum intersektorale Zusammenarbeit dabei entscheidend ist. Zu Gast waren Marian Schreier (GovTech Kommunal), Markus Braun (Springer Nature) und Moderator Bernd Villhauer (Weltethos Institut).
Ein zentraler Befund des Abends: KI ist ein Instrument – kein Ersatz für menschliche Entscheidung. Sie kann Routinen beschleunigen und Informationsverarbeitung verbessern, etwa vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in der Verwaltung. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung beim Menschen: KI definiert weder das Problem noch kann sie beurteilen, ob ein Ergebnis inhaltlich richtig, angemessen oder gesellschaftlich wünschenswert ist. Besonders im wissenschaftlichen Kontext wurde betont, dass Zeitgewinne durch KI nur dann wertvoll sind, wenn Ergebnisse weiterhin durch menschliche Expertise abgesichert werden.
Mehrfach wurde herausgestellt, dass es in der Verwaltung nicht nur um Effizienz geht, sondern um Handlungsfähigkeit im Sinne des Gemeinwohls. KI darf nicht bloß bestehende Prozesse „schneller“ machen, sondern sollte Anlass sein, Verfahren grundsätzlich zu hinterfragen – etwa ob bestimmte Nachweispflichten oder papierbasierte Routinen überhaupt noch zeitgemäß sind.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Vertrauensfrage: Wenn Vertrauen in staatliche Leistungsfähigkeit sinkt, entsteht schnell eine Legitimitäts- und Akzeptanzkrise. Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass Menschen sich stärker auf KI stützen und das eigene Urteilsvermögen in Frage stellen. Vertrauen in den Staatsapparat entsteht daher nicht durch Technologie allein, sondern durch transparente Verfahren, klare Rollen und nachvollziehbare Entscheidungen.
Deutlich wurde auch: Der Engpass liegt weniger in fehlender Technik als in Kultur und Struktur. Verwaltung werde vielerorts weiterhin „wie vor 100 Jahren“ organisiert; Wandel lasse sich nicht per Verordnung herbeiführen, sondern brauche Kompetenzen für Veränderung, Lernfähigkeit und mehr Austausch über Sektorengrenzen hinweg. Kooperation zwischen Technologie, Kommunen und Verwaltung ist wichtig – ebenso wie die Einbindung der Zivilgesellschaft, denn Verfahren schaffen Legitimation, aber nicht automatisch gesellschaftliche Akzeptanz.
Der Kaminabend machte insgesamt sichtbar: Die KI-Transformation ist eine Gestaltungsaufgabe – zwischen Effizienz und Gemeinwohl, Innovation und Risiko, Technik und Vertrauen. Die ISoG BW dankt allen Gästen und Teilnehmenden für den offenen Austausch und die vielen Perspektiven.