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Wer trägt Verantwortung für Künstliche Intelligenz? Ein Tag zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft

Künstliche Intelligenz verändert, wie wir arbeiten, entscheiden und gesellschaftliche Herausforderungen bearbeiten. Beim Öffentlichen Diskurs der ISoG BW ging es deshalb nicht um die Technologie allein, sondern um die Frage, wer für ihren Einsatz Verantwortung trägt und wie Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diese Verantwortung gemeinsam wahrnehmen können.

Drei Impulse eröffneten den Tag. Dr. Dorothea Winter (Universität Osnabrück) legte offen, welche Menschenbilder in unseren KI-Erzählungen stecken: Wo KI als beseeltes Gegenüber erscheint, verschiebt sich Verantwortung weg von den Menschen, die sie entwickeln und einsetzen. Marian Schreier (GovTech Deutschland und GovTech Kommunal e.V.) zeigte anhand konkreter Anwendungsfälle, in welchen Reifegraden KI in der öffentlichen Verwaltung ankommt und warum menschliche Freigaben dabei unverzichtbar bleiben. Für den kurzfristig verhinderten Daniel Abbou sprang Alessandro Blank, KI Bundesverband, ein und hielt seinen Vortrag ad hoc: KI ersetze selten ganze Berufe, verändere aber Tätigkeiten grundlegend – der Wert menschlicher Arbeit verschiebe sich vom Erledigen zum Urteilen.

Der Paneltalk: drei Sektoren, ein Gespräch

Den Kern des Tages bildete der von Dr. Bernd Villhauer (Weltethos-Institut) moderierte Paneltalk. Hier kamen die drei Perspektiven direkt miteinander ins Gespräch und genau dort zeigte sich, wie unterschiedlich die Sektoren auf dieselben Fragen blicken und wo sie sich brauchen.

Einig war sich die Runde in einem Punkt: Ohne echte Koproduktion funktioniert KI in der Verwaltung nicht. Tiefes Domänenwissen über Verwaltungsabläufe und -kultur muss mit technologischem Wissen zusammenkommen, sonst scheitern Vorhaben an rechtlichen und prozessualen Hürden. Als historische Schwäche in Deutschland wurde die vorsichtige Kommunikation zwischen Verwaltung und Unternehmen benannt, häufig aus Sorge vor vergaberechtlichen Fragen. Dass es anders geht, zeigen Beispiele wie die Bürgerbeteiligung in Hamburg oder der interne Chatbot in Berlin – datenschutzkonform und Open Source.

Ebenso wichtig sei, dass Veränderung von zwei Seiten kommt: von engagierten Mitarbeitenden auf Referatsebene und von einer Leitungsebene, die Hürden bei Datenschutz und Personalvertretungsrecht aus dem Weg räumt. Reine Top-down-Projekte, so die Erfahrung im Panel, enden oft als Leuchttürme, die kaum jemand nutzt.

Deutlich wurde auch, wie sehr die Art des Sprechens über KI die Handlungsfähigkeit beeinflusst. Solange die Debatte zwischen Heilsversprechen und Kontrollverlust pendelt, hilft sie weder Politik noch Unternehmen bei konkreten Entscheidungen. Vertrauen entstehe stattdessen durch nachvollziehbare Anwendungen – genannt wurden unter anderem Pflege und Brustkrebsvorsorge. In dieselbe Richtung ging die Kritik an der Regulierungsdebatte: Die anfängliche Verengung auf Risiken habe Verunsicherung erzeugt, statt Gestaltungsspielräume sichtbar zu machen.

Aus wirtschaftlicher Perspektive kam ein Befund hinzu, der die Sektoren unmittelbar verbindet: Deutschland verfügt über starke KI-Forschung, tut sich aber schwer damit, sie in Wertschöpfung zu überführen. Öffentlich finanzierte Innovationen wandern häufig zu ausländischen Investoren ab. 

Ein eigener Strang der Diskussion galt der digitalen Souveränität. Sie wurde weniger als Autarkie verstanden denn als Wechselfähigkeit: Wer den Pfad zu Alternativen kennt und ihn erprobt, bleibt handlungsfähig. Dass Abhängigkeiten dabei nicht nur gegenüber großen internationalen Anbietern bestehen, sondern ebenso gegenüber kleinen mittelständischen IT-Dienstleistern, war für viele im Raum ein Perspektivwechsel.

Zum Abschluss gab jede Perspektive eine Botschaft mit: sich der eigenen Abhängigkeiten bewusst werden (Winter); Technologie als Werkzeug begreifen, vom Problem her denken und dennoch den Mut haben, Dinge auszuprobieren (Schreier); sich sachlich mit der Transformation auseinandersetzen, statt in Extremen zu diskutieren (Blank).

Abgerundet wurde der Tag durch eine Fallarbeit mit Prof. Monika Gonser, bei der die Teilnehmenden ihre eigenen Fragestellungen einbringen konnten.

Wir danken allen Mitwirkenden und Teilnehmenden für einen Tag, der gezeigt hat, wie produktiv der Blick über den eigenen Sektor hinaus sein kann.